Bella Italia
1. Oktober 2007
»Pan Ducale« heisst der Hersteller dieses käuflichen Zitronenkuchens aus dem schönen Italien. Ich habe ihn bei meinem Stammdealer in Berlin für mediterrane Kulinaria erworben.

Die Verpackung dieser »Torta al Limone« ist offenherzig. Der Kuchen ist in Folie verschweißt, die in einem im oberen Bereich offenen Pappschachtel steckt. Man hat einen klaren Blick auf das Produkt. Und es sieht gut aus. Auf das Preisschild habe ich nicht geschaut: ich brauchte jetzt einfach einen Zitronenkuchen, komme da, was da wolle. Auf der Verpackung wird man informiert:
Das italienische Unternehmen mit Sitz in den Abruzzen backt Zitronenkuchen seit 1966. Es soll sich um ein altes Familienrezept handeln. Nach dem Öffnen vergesse ich, erst einmal den Duft einzusaugen, der mir entgegenströmt. Das hätte freilich auch gar nichts gebracht, da der gerade gemahlene und frisch aufgebrühte Kaffee seine Olofakte in der Kücke verbreitet und kaum Raum für irgend etwas anderes lässt.
Der Kuchen lässt sich gut schneiden. Die Konsistenz ist in Ordnung. Er ist ausreichend feucht, ja beinahe saftig, und weist freundlicher Weise keinen zitronigen Zuckerguss auf. Die Farbe ist, wie auf der Verpackung angepriesen, golden und jedenfalls nicht zitronig Gelb. Das Mehl scheint nicht reines Weißmehl zu sein; ein wenig hat sich wohl Vollkornmehl in die Mischung geschmuggelt. Nur ganz neben bei: Kuchen und Vollkornmehl gehen nicht zusammen. Klar? Klar!
Nun die Geschmacksprobe. Sogleich fällt einem das alte Familienrezept derer Ducales ein: Sehr alt muss das wohl sein, denn alt schmeckt auch der Kuchen. Daß es sich um einen Zitronenkuchen handelt, schmeckt man freilich nicht. Dafür dringt, was in der Regel nicht zu vermeiden ist, dieser besondere Geschmack eines Kaufkuchens durch, der mich immer an Konservierungsstoffe denken lässt, aber vermutlich von diesen gar nicht verursacht wird. Eine klebrige Geschmacksödnis ist das, die sich nach dem zweiten Bissen regelmäßig einstellt. Im Abgang bleibt diese besondere Fadität, die sich auch mit einem ordentlichen Schluck Kaffee nicht hinwegspülen lässt. – Nun ja, bei Gebäck kann ich mich leider kaum zurückhalten, also wird gegessen, was ich mir da auf den Tisch gebracht habe. Doch wird mir schon klar:
Diesen Kuchen würde ich nicht noch einmal kaufen.